Mit grosser Bestürzung haben wir von der Schliessung des Museums und der Kündigung des  Anstellungsverhältnisses mit Herrn Arnaud Maeder Kenntnis genommen. Noch im letzten Jahr hat unser Verband in La Chaux-de-Fonds seine Jahresversammlung abgehalten und sich von der professionellen Arbeit für die Umlagerung der wissenschaftlich wertvollen Sammlung vor Ort überzeugen können. Im weiteren möchten wir in Erinnerung rufen, dass Ihr Museum 2012 von der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften mit dem Prix Expo für sein langfristiges Engagement ausgezeichnet wurde - welches mit dem von Ihnen beabsichtigen Schritt zu einem abrupten Ende kommen wird.

Nun müssen wir feststellen, dass der Stadtrat eine Entscheidung getroffen hat, die grossen Schaden anrichtet und anrichten wird. Es ist uns bekannt, dass die finanzielle Lage der Stadt sie zu pragmatischen Lösungen zwingt.
Selbst wenn die Sammlungen und das Museum geschlossen bleiben, sind Unterhalts- und Kontrollarbeiten unabdingbar. Es ist ein inhaltlicher Trugschluss und eine Fehlüberlegung, dass dabei Geld gespart wird. Sammlungen können nicht einfach eingemottet werden ohne sie wissenschaftlich zu kontrollieren und zu pflegen, ansonsten werden sie bewusst dem Zerfall preisgegeben.

Die Sammlungen von La Chaux-de-Fonds sind Teil des Kulturerbes der Stadt und des Kantons und das Sammeln, Bewahren, Dokumentieren und Erforschen kultureller Werke gehören unseres Erachtens ebenfalls dazu. Nur eine adäquate konservatorische Betreuung kann dies längerfristig garantieren.

In diesem Zusammenhang scheint es uns ebenfalls nicht nachvollziehbar, dass Teile der Stadt auf der World Heritage Liste der UNESCO zu finden sind, sie aber gleichzeitig den Fokus auf ihre naturwissenschaftlichen Sammlungen vollkommen verloren hat.
Museen, Ausstellungen und Sammlungen sind nicht einfach Veranstaltungsorte, auf die man bei knappen finanziellen Ressourcen ohne Nachdenken verzichten kann. Sie sind die Speicher des kantonalen Kulturguts und Bewahrer des Patrimoniums. Daraus ergeben sich nicht nur im politischen Bereich erhebliche Verantwortlichkeiten sondern auch juristische Verbindlichkeiten. Das Wegschliessen von ganzen bedeutenden Sammlungen, die zum grossen Teil mit öffentlichen Geldern erworben und gepflegt wurden und durch private
Donatoren ergänzt wurden, ist nicht bedenkenlos möglich.

Ein weiterer entscheidender Punkt sei hier deutlich hervorgehoben:

Das Bundesamt für Kultur der Schweizerischen Eidgenossenschaft, das die Kulturgüter der Schweiz schützt, hat die Sammlung Ihres Museums offiziell in die Gruppe A eingestuft. Das bedeutet, dass die Sammlung des Musée d’histoire naturelle zum Kulturgut mit grosser nationaler Bedeutung gehört und sie somit unter Schutz des Bundes steht.

Mit ihrer Entscheidung, die Sammlung zu schliessen und ihren Konservator nicht mehr zu beschäftigen, dürften Sie sich in naher Zukunft juristische Konsequenzen einhandeln, die weder absehbar sind, noch Ihnen zum Zeitpunkt Ihres Entscheids überhaupt bewusst waren.

Sie als Stadträte stehen in der Verantwortung und sind letztendlich auch dafür verantwortlich wenn wertvolles Kulturgut bewusst dem Zerfall preisgegeben wird.

Wir sind fest davon überzeugt, dass eine nachhaltige Betreuung der Sammlung unabdingbar ist, wenn sie nicht wissentlich zerstört werden soll.

Wir möchten Sie deshalb bitten, unsere Bedenken zu prüfen und dafür zu sorgen, dass die Sammlungen in adaequaten Sammlungsräumen untergebracht und auch kuratorisch betreut werden.

Es sollte nicht nur uns, sondern auch Ihnen klar sein, dass diese Sammlungen für die kommenden Generationen erhalten bleiben und entsprechend auch richtig konserviert werden müssen.

Gerne sind wir bereit, Sie fachlich zu unterstützen. Für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung mit freundlichen Grüssen

Im Namen des Vorstands und des Verbands musnatcoll.ch
Prof. Dr. Christian A. Meyer
Präsident